Zeitreise auf die Moabiter Insel
Gruss aus Berlin präsentiert Ansichtskarten eines Bezirks, den es in dieser Form nie gegeben hat, obwohl man sie sofort erkennt. Die Motive aus Moabit basieren auf original historischen Ansichtskarten und Aufnahmen der jeweiligen Schauplätze von heute.
Gruss aus Berlin stellt den künstlerischen Aspekt der Bilder in den Vordergrund. Die in den Bildbeschreibungen genannten Daten und Fakten sind nach bestem Gewissen der erhältlichen Fachliteratur zum Bezirk und seiner Geschichte entnommen. Wenn Sie Ergänzungen dazu haben, helfen Sie bitte mit und senden uns eine Nachricht über die Kontakt-Seite.
Read More »Moabiter Brücke
Das Panorama zeigt die Moabiter Brücke, wie sie 1893/94 errichtet worden war. Die vier gewaltigen Bärenskulpturen aus Bronze an den Endpfeilern wurden 1942 abgebaut eingeschmolzen und 1981 durch moderne Bärenfiguren ersetzt. Links hinten befindet sich das ehemalige Areal der Bolle Meierei – heute Sitz des Innenministeriums. Das Foto ist vom südlichen Spreeufer aufgenommen, an dem sich damals eine Flussbadeanstalt in der Spree befand.
Read More »Hauptbahnhof mit Moltkebruecke
Die Moltkebrücke verbindet das Regierungsviertel mit dem Moabiter Werder und dem Hauptbahnhof. Sie ist benannt nach Helmuth von Moltke, dem Chef des Preußischen Generalstabes. Dieser befand sich an der Stelle des heutigen Bundeskanzleramtes, von dessen Ecke ich für diese Montage fotografiert habe.
Hier am heutigen Hauptbahnhof blieb kein Stein auf dem anderen – nur die Brücke selbst ist als stummer Zeuge erhalten geblieben. Sie wurde 1891 eingeweiht, im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, 1947 wieder in Betrieb genommen und 1986 umfassend restauriert.
Die Brücke überspannt die Spree mit drei großen Mittelbögen und einem kleineren Bogen rechts, der für einen Uferweg am Südufer dient. Links im Bild am nördlichen Brückenende stand ein sog. Blendbogen, der die gewünschte Symmetrie schuf. Heute ist auch dieser für Fußgänger geöffnet und ein beliebter Schlafort für Obdachlose, an denen morgens früh die Jogger vorbeilaufen.
Im runden Bau mit Glaskuppel war ab 1899 das Deutsche Kolonialmuseum untergebracht, dessen Sammlung heute weit verstreut ist. Daneben in der Bildmitte ist der Lehrter Bahnhof zu erkennen, der scheinbar direkt neben dem heutigen Hauptbahnhof steht.
In den letzten Kriegstagen erlangte die Brücke strategische Bedeutung. Einheiten der Roten Armee starteten von Moabit aus ihren Angriff auf den Reichstag. Es kam zu verlustreichen Kämpfen, in deren Verlauf der südliche Brückenbogen gesprengt wurde. Die Einschüsse der letzten Kriegstage sind der Brücke bis heute anzusehen und bilden einen bemerkenswerten Kontrast zur geleckten Optik des glitzernden Hauptbahnhofes fahinter.
An der nordwestlichen Brückenseite ist einer der zerstörten Original-Greife der Brückenenden wieder aufgestellt worden. Eine Gedenktafel hierzu beschreibt ihn als „ständige Mahnung zu Frieden und Verständigung“, auch wenn dies durch Taggings überdeckt und kaum lesbar ist. Eigentlich schön, in diesem sysnthetischen Umfeld noch “echte” Zeitspuren zu finden.
Read More »Hansaufer
Zwischen der Levetzowstraße und der Spree liegt ein kleines Wohnviertel, das man leicht übersehen könnte. Das im Motiv zu sehende Hansa-Ufer wurde 1901 angelegt und bildet die heute kaum wieder zu erkennende Südseite. Denn auch hier – gegenüber dem berühmten Hansaviertel, von wo aus fotografiert wurde – blieb zum Ende des 2. Weltkrieges kein Stein auf dem anderen.
Das Wohngebiet war um 1900 gut zu erreichen. Direkt vom S-Bahnhof Tiergarten führte die Wullenweberbrücke zum Viertel. Diese wurde im Krieg zerstört und als Wullenwebersteg für Fußgänger wieder errichtet, was für das Hansaufer weniger Verkehr und mehr Ruhe bedeutet. Nicht weit von hier findet man an der Einmündung der Dortmunder Straße Fundamentsreste des Borsigsteges – einer weiteren im Krieg zerstörten Brücke über die Spree.
Read More »Berlin-Marathon 2011
Der Marathon bei Kilometer 6 von 42. Alt-Moabit ist hier Schauplatz für eine Zeitreise ins Jahr 1908. Wo Tausende Läufer Richtung Osten strömen, fuhr damals die Straßenbahn Linie Q Richtung Stettiner Bahnhof, dem heutigen Nordbahnhof. Im Bild rechts der kleine Tiergarten, links das Westfälische Viertel mit der Krefelder Strasse. Wo sich heute Fahrspuren befinden, flanierten früher Passanten auf der Achse, die bis heute den Bezirk in zwei Teile schneidet.
Read More »Turmstrasse mit Ufa Palast / 1925
Wo heute provisorische Nachkriegsbauten die Kreuzung Turmstraße / Stromstraße prägen, stand früher eines der prächtigsten Ufa-Kinos. Als die Aufnahme 1925 entstand, wurde gerade „Wege zu Kraft und Schönheit“ gespielt, ein Dokumentarfilm über Körperhygiene. Wer informiert sein wollte, ging damals ins Kino. Aber auch die Tage des rechts daneben gelegenen Turmpalastes sind wahrscheinlich gezählt, wenn das gesamte Areal wie geplant zu einem Einkaufszentrum umgebaut werden wird.
Read More »Moabiter Brücke / 1899
Das Panorama zeigt die Moabiter Brücke, wie sie 1893/94 errichtet worden war. Die vier gewaltigen Bärenskulpturen aus Bronze an den Endpfeilern wurden 1942 abgebaut eingeschmolzen und 1981 durch moderne Bärenfiguren ersetzt. Links vor dem gelben Wohn- und Geschäftsbau aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts befand sich eine Flussbadeanstalt in der Spree.
Read More »Alt-Moabit mit Heilandskirche / 1915
Alt Moabit, die Querachse des Bezirks. Nach Norden der kleine Tiergarten, nach Süden das Westfälische Viertel mit Bochumer, Krefelder und Elberfelder Strasse. Dazwischen die Heilandkirche mit Ihrem mit 87 Metern höchsten Kirchturm Berlins. Wo sich heute Fahrspuren befinden, flanierten früher Passanten auf der Achse, die bis heute den Bezirk in zwei Teile schneidet.
Read More »Beusselstraße / etwa 1915
Alt Moabit, die Querachse des Bezirks. Nach Norden der kleine Tiergarten, nach Süden das Westfälische Viertel mit Bochumer, Krefelder und Elberfelder Strasse. Dazwischen die Heilandkirche mit Ihrem mit 87 Metern höchsten Kirchturm Berlins. Wo sich heute Fahrspuren befinden, flanierten früher Passanten auf der Achse, die bis heute den Bezirk in zwei Teile schneidet.
Das Wahrzeichen des Beusselkiezes ist die Reformationskirche an der Ecke Wiclefstraße. Das 1905/07 erbaute Ensemble aus Kirchbau und Gemeindehaus wurde im 2. Weltkrieg stark beschädigt. Der Kirchturm wurde 1953 in vereinfachter Form wieder aufgebaut und in diesem Motiv wieder vervollständigt. Nachdem mehrere Jahre eine Umnutzung des Gemeindbaus geplant wurde, entsteht seit neuestem wieder eine Kirchengemeinde im schwierigen Umfeld der Beusselstraße.
Read More »Alt-Moabit mit Johanniskirche / 1925 und 1900
Alt-Moabit in Richtung Westen gesehen. Das Panorama zeigt links die Straße in den 20er Jahren – rechts um die Jahrhundertwende mit St. Johanniskirche. Die fast baugleichen Gebäude am Eingang zur Thomasiusstraße belegen, wie unterschiedlich restauriert oder bis zur Unkenntlichkeit modernisiert wurde. Wer dort abbiegt findet in der Nr. 5 eines der schönsten Jugendstil-Juwele des Bezirks!
Read More »Birkenstraße / 1905
Die Havelberger Straße ist heute zur Birkenstraße hin eine Sackgasse. Man muss genau hinschauen, um sich das damalige Straßenbild noch vorstellen zu können. Als Relikt der Vergangenheit steht links im Bild das prachtvoll gestaltete Mietshaus von 1874/75. Heute beherbergt es ein erstklassiges osmanisches Restaurant. Es ist das letzte von drei aufwendig gestalteten Stirnbauten, welche die Eckgrundstücke der Kreuzung markierten. Dass das Gebiet schon um die vorletzte Jahrhundertwende multikulturell geprägt war, belegt der Text der alten Ansichtskarte.
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Read More »Huttenstraße / 1908
Die Straßenszene aus der Huttenstraße zeigt das unmittelbare Nebeneinander der Verkehrsmittel von heute und damals. Der Giebelbau rechts im Bild blieb weitgehend erhalten – auch der heute ungewohnt breite Gehsteig. Sogar die Litfasssäule steht fast am ursprünglichen Platz.
Read More »Humboldthafen
Der Humboldthafen war um 1900 einer der wenigen Stadthäfen, die Schiffe mit einer Tragkraft von 500t und mehr aufnehmen konnten. Die dicht an dicht im Hafenbecken liegenden Kähne sind gut zu erkennen. Zur Zeit der Teilung Berlin lag das Gebiet auf dem Todesstreifen – der Hafenverkehr kam völlig zum Erliegen. Der Hauptbahnhof und die geplante Bebauung rund um den Humboldthafen werden das Gelände künftig völlig neu strukturieren und prägen. Wann wird diese Momentaufnahme überholt sein?
Read More »Hansaviertel / Interbau 57
Die Interbau 57 war die große internationale Bauaustellung im Nachkriegsberlin. Auf dem Gebiet des zerstörten alten Hansaviertels entstand das neue Wohnviertel, das mit seinem Konzept weitläufiger Grünflächen und verschieden großen Gebäudetypen innerhalb eines Viertels die Fachwelt und das Publikum gleichermaßen beeindruckte. Licht und Raum konnte von der eigens zur Interbau errichteten Seilbahn genossen werden. Heute weitgehend vergessen führte die Strecke über damals junge, neu gepflanzte Bäume des Tiergartens hinweg quer über das Ausstellungsgelände.
Read More »Melanchthonstraße
Das Besondere an der Melanchthonstraße? Vielleicht, dass es eine besonders typische Wohnstraße im Kiez zwischen Paulstraße und Alt-Moabit ist. Die Einschläge des Weltkrieges sind hier an jeder Ecke spürbar. Das damalige direkte Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten wird hier besonders deutlich. Die Straße erscheint heute fast leblos verglichen mit dem geschäftigen Treiben vor der Delicatessen-, Conserven- und Mehlhandlung im Motiv der Jahrhundertwende.
Read More »Ottostraße / 1911
Die Ansicht zeigt rechts das Gemeindehaus der Heilandsgemeinde von 1905-06. Es war im Moment der Aufnahme ein hochmoderner Bau mit Elementen der Backsteingotik und Jugendstil. Das Innere des Baus war nach heutigen Maßstäben „multifunktional“ gestaltet – mit Mehrzweckräumen und Kindergärten, um „Seelsorge“ für die damals explodierende Zahl der Moabiter Bewohner leisten zu können. Heute schläft der Bau einen Dornröschenschlaf in direkter Nachbarschaft zum ehemaligen Woolworthgelände mit neu eröffnetem Bolu-Markt.
Read More »Stephanplatz / 1907
Die Umgestaltung des ursprünglich dreieckigen Stephanplatzes hat einen großzügig angelegten Spielpatz an der Stelle ermöglicht, wo früher die Stendaler Straße entlangführte. Für das Motiv ist dies von wesentlicher Bedeutung – denn wo heute Kinder spielen, fuhr im Moment der alten Aufnahme gerade ein Pferdegespann mit Leichenwagen vorbei. Die damals vom Fotografen im Stephankiez artig aufgestellten Kinder stünden heute zwischen Rutsche und Schaukel.
Read More »Turmstraße mit Gericht / 1909
Wer heute die Turmstraße Richtung Amtsgericht aus der Perspektive des Fotografen von 1909 fotografiert, steht mitten auf der Straße. Breite Gehwege sind Fahrspuren gewichen. Und zwischen den Autos der Gegenwart fährt wieder die alte Straßenbahn-Linie 2.
Aber hat sich eigentlich so viel verändert? Links vor der Einmündung der Bandelstraße befindet sich ein Geschäft für „Gelegenheitskäufe“. Das nahegelegene Gericht zwang offensichtlich schon damals den einen oder anderen zu spontanen Notverkäufen. Bargeld für Omas Perlenkette – damals und heute.
Read More »Wilsnacker Straße
Die Wilsnacker Straße wurde von der Baugesellschaft „Am kleinen Tiergarten“ in den 1870er Jahren angelegt. Die Nähe zur Turmstraße, die rund 10 Jahre später als Wohn- und Geschäftsstraße angelegt wurde, ermöglichte hohen Wohnkomfort in der gutbürgerlichen Gegend. Die Ecke zur Turmstraße war lange Jahre vom Leihhaus Moabit geprägt, ehe auch dies einem Automatencasino gewichen ist.
Read More »Luebecker Straße / 1905
Das Postamt NW 21 wurde 1882-83 errichtet und im 2. Weltkrieg zerstört. Der schmucklose Zweckbau von 1951 lässt nicht erahnen, welche technikgeschichtliche Bedeutung der dahinter gelegene erhaltene Ziegelsteinbau hatte. Zur Olympiade 1936 wurde im obersten Geschoss – erkennbar an den großen Rundbogenfenstern – ein “Fernsehgroßbildstelle” eingerichtet. Public Viewing ist also keine Erfindung der Gegenwart.
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